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Legasthenie: Ein häufiges Begleitproblem von ADHS

Vereinfacht gesagt ist ADHS eine eingeschränkte Selbstkontroll- und Selbststeuerungsfähigkeit. Eine Untersuchung von Dr. Erik Willcutt (Fachbereich für Psychologie und Neurowissenschaften an der Universität von Colorado) aus dem Jahr 2012 kam zu dem Ergebnis, dass 5,9% bis 7,1 % der Kinder von ADHS betroffen sind und diese Verhaltensstörung somit die am häufigsten vorkommende ist.
Die Wissenschaft geht davon aus, dass ADHS bereits im frühen Kindesalter beginnt. Erkannt wird die Störung aber meistens erst mit dem Schuleintritt, denn hier müssen sich die Kinder das erste Mal in geregelten Strukturen einfinden.

Warum sind viele ADHS-Kinder auch von Legasthenie betroffen?

Aktuell (Stand 2014) gibt es noch keine endgültige Erklärung zu den Ursachen von ADHS. Experten schreiben häufig von einem „multifaktoriell bedingten Störungsbild“ mit einer genetischen Veranlagung. Ein häufig verwendetes Erklärungsmodell ist eine fehlerhafte Informationsverarbeitung im Gehirn, und zwar zwischen den Hirnarealen, die für Aufmerksamkeit, Konzentration, Wahrnehmung und Impulskontrolle zuständig sind. Und genau hier könnten auch die Ursachen für die weiteren Begleitprobleme wie Legasthenie/LRS (Lese-Rechtschreib-Störung) und Dyskalkulie (Rechenschwäche) liegen. Auch die zentrale Hör- und Sehverarbeitung scheint eine wichtige Rolle zu spielen. Karl Beinstein, der Gründer vom Institut für Legasthenie- & ADHS-Training in Wien, hat im Laufe der Zeit über 1.400 Kinder begleitet und eine Korrelation von Verhaltensauffälligkeiten und Legasthenie bei mehr als 50% der Kinder festgestellt. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig zu erwähnen, dass „schlechte Erziehung“ oder kindliche Traumata nicht die Ursache sind, sondern eine zusätzliche Belastungen für betroffene Kinder darstellen.

Wie kann geholfen werden?

Bei ADHS ist auf alle Fälle die Expertise von Fachkräften (spezialisierte Kinderärzte, Schulpsychologen bzw. Kinder- und Jugendpsychiater) zur Erstellung eines individuellen, multimodalen Therapiekonzeptes gefragt. Je nach Art der Problemstellung umfasst das Therapiespektrum folgende Punkte: Elterntraining, Interventionen in der Schule, Verhaltenstherapie, Diäten und Nahrungsergänzungsmittel.
Gegen unangenehme Begleiterscheinungen wie Legasthenie können Familienangehörige selbst aktiv werden und bei konsequentem Training zu Hause sehr gute Erfolge erzielen. Hier gilt es insbesondere die Negativspirale zu stoppen und das Selbstvertrauen neu aufzubauen. Auch die Steigerung der Konzentrations- und Motivationsfähigkeit sowie die Wahl der richtigen Lernstrategie sind wichtige Erfolgsfaktoren. Der Einsatz von Lernspielen wird empfohlen, denn spielerisch lernen macht einfach doppelt so viel Spaß und ist deshalb besonders wirksam.

Fazit: Bis zu 40 % der ADHS-Kinder sind auch von Legasthenie betroffen, doch bei rechtzeitiger Diagnose und entsprechenden Gegenmaßnahmen lassen sich diese Probleme sehr gut in den Griff bekommen. Wichtig: Zu strenges oder liebloses Erziehungsverhalten der Erwachsenen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich Leistungsdefizite, aggressives Verhalten oder emotionale Störungen ausweiten. Moderne Therapien streben daher auch immer eine positive Gestaltung des kindlichen Umfelds an!

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